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Unwetter und Stürme nehmen zu

Herausgegeben von in Klimawandel ·

Das Erdklima befindet sich im Wandel, sagt Professor Wolfgang Seiler, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen.

Herr Professor Seiler, kann man noch die Existenz eines Klimawandels bestreiten?
Dass es eine Klimaänderung gibt, ist absolut sicher. Wir sehen dies nicht nur in einer Temperaturänderung, sondern auch in der Veränderung der Niederschlagsverteilung. Es wird in Mitteleuropa im Sommer immer trockener und im Winter im feuchter. Wir sehen die Klimaänderung auch im Rückgang der Gletscher und des immer früher auftretenden Austriebs der Bäume. Die Blütezeit hat sich in den letzten 20 Jahren um zwei Wochen nach vorne verschoben. Wir befinden uns inmitten einer globalen Klimaänderung. Dafür gibt es zwei Ursachen: Die Veränderung natürlicher Parameter, im Wesentlichen der Sonneneinstrahlung, und die Zunahme der Treibhausgas-konzentrationen in der Atmosphäre, bedingt durch die zunehmende Verbrennung von fossilen Brennstoffen, aber auch durch die Abholzung von Wäldern nicht nur in den Tropen, sondern auch in hohen Breiten. Der Kohlenstoff, der in der Biomasse gespeichert ist, gelangt als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Wenn man beide Möglichkeiten abwägt und den Zeitraum der letzten hundert Jahre betrachtet, kommt man zu dem Schluss, dass etwa 70 Prozent der Klimaänderung auf die Zunahme der Treibhausgaskonzentrationen und damit auf die Aktivitäten des Menschen zurückgeht.

Haben die Wetterextreme wie Stürme und Hochwasser zugenommen?

Diese Extremereignisse haben signifikant zugenommen und hängen ursächlich mit der Klimaänderung zusammen. Je höher die Temperatur ist, umso mehr Wasser verdunstet und gelangt in die Atmosphäre. Dieser Wasserdampf bleibt durchschnittlich nur etwa sieben Tage in der Atmosphäre, bevor er als Regen wieder auf die Erdoberfläche zurückgeführt wird. Bei der Kondensation wird die gesamte Energie, die notwendig war, um das Wasser zu verdunsten, wieder freigesetzt. Wir führen der Atmosphäre also immer mehr Energie zu, die in der einen oder anderen Form wieder abgebaut werden muss. Eine davon ist die Zunahme von Extremereignissen, das heißt Stürme, Starkniederschläge, Gewitter. Was früher einmal in hundert Jahren stattgefunden hat, wird in immer kürzeren Abständen auftreten. Diese Situation wird sich noch verstärken und ist auch für die Entstehung der in den letzten Jahren zunehmenden Katastrophen verantwortlich.

Müssen wir uns in Deutschland auf grüne Winter und trockene Sommer einstellen?
Alle Klimamodelle sagen vorher, dass die Temperaturen im Winter stärker zunehmen werden. Das sieht man auch weltweit. Wir müssen damit rechnen, dass weiße Weihnachten in der Zukunft die Ausnahme sein werden. Der Winter wird sich immer mehr zum Spätwinter verschieben. Im nordalpinen Raum wird es im Dezember und auch Januar weniger Schnee geben, umso mehr im Februar und März. Für den Sommer in unserer Region rechnen wir in der Tat in den nächsten 50 Jahren mit einem Rückgang der Niederschläge um bis zu 50 Prozent. Dennoch können einzelne Niederschlagsereignisse auftreten, bei denen in kurzen Zeiträumen große Niederschläge konzentriert auf kleine Gebiete niedergehen und dort zu extremen Überschwemmungen führen. Dagegen bleibt der Niederschlag in benachbarten Gebieten nahezu völlig aus. Diese heterogene Verteilung des Niederschlags und die unterschiedlichen Auswirkungen werden das große Problem der Zukunft sein.

Wie warm wird es in den nächsten Jahrzehnten noch werden?
Wir gehen davon aus, dass die Temperaturen in Süddeutschland in den nächsten 50 Jahren generell um zwei bis drei Grad Celsius, in ganz Europa etwa um zwei Grad Celsius zunehmen werden. Im Sommer erwarten wir im süddeutschen Raum einen Temperaturzuwachs um vier bis fünf Grad Celsius und im Winter um zwei Grad. Die Null-Grad-Grenze wird im Winter um etwa 300 Meter ansteigen.




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